Author Archives: victorkuemel

PROSANOVA 14: Literatur als Körperwissen

Wer vier Tage PROSANOVA-Festival hinter sich gebracht hat, darf sich zurecht fühlen wie von einem überlebensgroßen Organismus verdaut und wieder ausgespuckt. Die ersten Pressevertreter kommen mit wirren Notizen aus Hildesheim zurück, je früher der Abgabetermin, desto zerschossener die Sätze, in den sozialen Medien ist von einer „Überdosis Literatur“ die Rede, vom #postprosanovablues, von der unerträglich […]

PROSANOVA 14: Aus der Mitte meines Brustkorbs

Der Countdown läuft: In zwei Stunden eröffnet PROSANOVA 2014, das größte Festival für junge Literatur im deutschsprachigen Raum. Vier Tage lang feiert die junge Literatur sich wieder hemmungslos selbst. Lohnt sich ein Besuch in Hildesheim? Spoiler: ja. 2005, ich hatte gerade Abi gemacht, reichte mir meine Mutter einen Zeitungsartikel über den Tisch: Hier, das ist […]

Open Mike 2012 – Fadeout

Kümel, Mesch, Philipp und Thomas fingieren ein Gespräch. S: Eigentlich war der Open Mike eine ganz lineare, monolithische Veranstaltung: Alle saßen im Publikum. Alle sahen und hörten – oberflächlich – GENAU dasselbe… V: Schon, aber dann geht es doch vor allem darum, dass sich überall diese kleinen Gesprächgruppen bilden, die das in Echtzeit auseinanderpflücken, dass […]

Fingerzeige

Eine halbe Stunde vor der Preisverleihung stehen sich die beiden zukünftigen Prosapreisträger Juan S. Guse und Sandra Gugic in einer Rauchergruppe gegenüber. Juan hebt den Finger und zeigt auf Sandra: Du bist super. Du gewinnst. Zehn Euro. Sandra zeigt zurück: Zehn Euro, dass du gewinnst. Juan: Okay, dann gewinnen wir beide zehn Euro. Es wurden […]

Nina Lörken „Die Balz des Blaufußtölpels“

Edgar der „Jauchekutscher“ fährt seine letzte Tour vor der Mittagspause. Er ist Mitarbeiter der Klärwerke und unterwegs, um Jauchegruben in einer Bungalowsiedlung auszupumpen. Privat mag er Vögel. „Ich heiße Edgar. Und ich mag Vögel.“, wird er später sagen. „Wenn Edgar ein Vogel gewesen wäre, wäre er ein Blaufußtölpel gewesen. Blaufußtölpel bauen ihre Nester aus Exkrementen.“ […]

Nadja Schlüter „Wahrscheinlich die Geschichte einer Freundschaft“

Wie zufällig geraten Corinna und Kai aneinander und bleiben dann einfach aneinander kleben. Zwei Figuren mit einem Innenleben, das durch und durch hölzern und mechanisch wirkt – und trotzdem oder gerade deshalb so plausibel. Weil der ganze Text sich in dieser weichen Mechanik bewegt, in deren Logik der Herzschlag, das Essverhalten oder das Bettmachen zu […]

Linus Westheuser und Tristan Marquardt „Gedichte“

„wir werden mit konfetti / in die löcher schießen. wir werden das konfetti aufsammeln / und wieder in die löcher schießen.“ Linus Westheuser und Tristan Marquardt benutzen „die waffen von / uhrmachern“, filigrane Geräte, um den „bestand“, das „inventar“ neu zu verzahnen, ein „feinschliff am lebenden objekt“. Seltene Dinge erwachen da zum Leben, „ein krimidialog, […]

Thomas Dörschel „Kleine Gesten“

Es gibt erste Sätze, von denen erhole ich mich nur schwer. „Hendrik kam wie immer eine halbe Stunde zu spät.“ Da möchte ich schon gar nicht mehr mitkommen in diese Wohnung, in der ein kleines Unglück zuhause ist, das nun in all seinen schmerzlichen wie auch banalen Facetten ausgebreitet, seziert werden soll. Denn es ist […]