Author Archives: Lea

Schnitt um Schnitt

Ich hab‘ da ein Wort verloren. Aus den zwanzig Teilnehmertexten habe ich in einer Woche zwanzig Collagen gemacht. Auf meinem Teppich sind Kleberflecken, die nicht mehr rausgehn. Auch eine Collage. Jetzt trage ich die Texte in meiner Tasche herum und manchmal fällt ein Wort ab. Zum Glück habe ich Fotos gemacht, eins von jeder Collage, […]

„Alles Profis“

Pause. Juror Raphael Urweider bahnt sich seinen Weg durch die Menschentrauben nach draußen. Ich folge ihm. Die Jury wollte noch kein Interview geben. Nur Urweider meinte, ich dürfe ihn ein paar Dinge fragen, während er raucht. Ein Zigarettenpausengespräch: LB: Gibt es einen Trend hin zu den Schreibschultexten? Sind ja schon einige mit dabei. RU: Ja, […]

In aller Kürze

Joseph Felix Ernst, Preisträger von 2011, und Maren Kames im Biergarten: J: Du hast Lyrik eingereicht? M: Ja, aus Versehen. J: Wie kommts? M: Ich bin in Hildesheim immer kürzer geworden.

Christian Preußer: „So laut ich kann“

Christian Preußers Stimme überschlägt sich. Er liest, ohne aufzuschauen, ohne Pause, ohne zu atmen. Was bis zum Publikum durchdringt: Heruntergezogene Hosen, in erster Linie. Dann: Peinliche Bilder im Internet. Nordseeurlaub. Gruppendynamik, Verbrüderung und Männergehabe. Pornos. Jeder lacht sein Lachen. Spaß oder auch keiner mehr. Eine kleine, süße Freundin. Ein kleiner, süßer Freund. Bier. Schmerz, „spitz […]

Verena Fiebiger: Gedichte

Ich beginne ganz klassisch mit einem Willkommensgedicht. Verena Fiebiger eröffnet ihre Lesung mit einem kurzen Prolog. Ihre Stimme ist sicher, fast singend bahnt sie sich ihren Weg durch die Zeilen und stellt jede auf ein Podest, einen Denkmalsockel. Sie schaut immer wieder hoch ins Publikum, aber nicht um sich seiner Aufmerksamkeit zu versichern, sondern zur […]

Christian Schulteisz: „satt“

Schau, dein Schrank ist schon eingeräumt, übersichtlich, stimmts? Marcel, der Protagonist in „satt“, ist alles andere als übersichtlich. Er ist stark übergewichtig, aber nicht nur den eigenen Körper, sondern auch sein Leben überblickt er nicht. Es ist von seiner Mutter maßgeschneidert. Sie versorgt ihn mit Essen, aber nicht mit Töpfen, damit er nicht selbst kocht, […]

Karl Wolfgang Flender: „Greenwash Inc.“

Ich sitze auf einer cremefarbenen Ledersitzbank und beobachte, wie die Blasen in meinem Champagnerglas von den Erschütterungen des Busses aus der Bahn gelenkt werden. Eine Zugfahrt unter Journalisten. Drinnen Champagner, draußen verkohlte Baumstümpfe, dazwischen getönte Scheiben. Ein Blick nach draußen fällt auf ein Werbeschild mit „weißen Kindern“ und Coca-Cola. Davor: zwei Männer, die Plastikmüll verbrennen. […]

Stephan Reich: „Orte“

bloß den stimmen fehlen die höhen / & tiefen im zwielicht des screens / – are you dead? – / brennt die sprache aus Stephan Reichs Stimme fehlt es an nichts, weder Höhen noch Tiefen. Seine Sprache brennt, aber brennt nicht aus, niemals. Er zieht die Zuhörer mit sich mit, in Extremsituationen. Seine Stimme schleift […]