VORGESTELLT, ABER SELBST NOCH NICHT GELESEN: Schöffling & Co., FRÜHJAHR 2014

Noch kamen wir nicht dazu, all die Bücher zu lesen, die gerade um uns herum erscheinen. Trotzdem wollen wir Euch in den nächsten Tagen einige vorstellen, von denen wir denken, sie sind gut, interessant und es wert, dass wir sie alle lesen. Wir verlassen uns dabei ganz auf unseren Instinkt und die Verlagsprosa. Heute: Schöffling & Co.

David Finck
Das Versteck

Von einem Tag auf den anderen ist der Philosophiestudent Jonas Duder spurlos verschwunden. Sein Bruder Bernhard glaubt dafür die Verantwortung zu tragen. Dabei konnte er, als sich Gabriele in ihn verliebte, nicht ahnen, wie viel sie Jonas bedeutete.
Fünf Jahre später lebt Bernhard mit Gabriele zusammen und hat einen guten Job. Eigentlich ist alles perfekt in seinem Leben. Hätte Jonas nicht eine Leerstelle hinterlassen, die immer größere Macht über Bernhard gewinnt. Der abwesende Jonas wird zu einem düsteren Zwilling, der ihn bis in seine Träume verfolgt. Eine Reihe unheimlicher Begebenheiten lässt Bernhard schließlich an allem zweifeln.
Das Versteck ist die Geschichte einer romantischen Liebe, die zum Scheitern verurteilt ist. In seinem aufregenden Debüt
erzählt David Finck von drohendem Identitätsverlust und einer Welt, in der nichts so ist, wie es sein sollte.

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Simon Urban
Gondwana

Auf dem Pazifik-Atoll Gondwana haben sich die obersten Vertreter der monotheistischen Weltreligionen zusammengeschlossen und die gesamte Menschheit einer sakralen Ordnung unterworfen: Alle Regeln aller Religionen gelten jetzt für alle.
Doch dann erschüttert ein Mord auf der Insel das harmonische Miteinander der Konfessionen. Aus Angst vor neuen Religionskonflikten beschließt die Glaubensaufsicht in Europa, vorerst nur einen inoffiziellen Ermittler nach Gondwana zu entsenden: den radikal-atheistischen Inspector Platon Ahorn. Mit seinen unkonventionellen Methoden kommt er der Wahrheit immer näher und droht schließlich die ganze Welt ins Chaos zu stürzen.
Ralph Nieses pulp-inspirierte Comiczeichnungen geben diesem Chaos explosive Bildkraft.
In seiner neuen, turbulenten Krimisatire entlarvt Simon Urban religiöse Orthodoxie als ultimatives Instrument patriarchalischer Tyrannei – und den Glauben als größtes Hindernis auf dem Weg zum freien Menschen.

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Eckhard Henscheid
Die Vollidioten. Ein historischer Roman aus dem Jahr 1972

An einem Samstagabend im Jahre 1972 im Frankfurter Nordend, im Umkreis der Gastwirtschaft Mentz, passiert es: Herr Jackopp verliebt sich in Frl. Czernatzke. Eckhard Henscheid, der Erzähler, wird zum »Postillon d’amour«, die Ereignisse über eine Woche lang beobachtend, aber auch unverkennbar willentlich vorantreibend; man könnte sogar sagen: böswillentlich.
Unterdessen werden im Mentz gesellschaftspolitische Utopien entwickelt, wird über die Gründung eines »Vereins zur Abschaffung der Sexualität wegen unerträglicher Banalität der dabei anfallenden Vorgänge« und über die möglichst gedeihliche Emanzipation der Frau diskutiert. Der immer blanke Herr Kloßen erleichtert für seine Zeche den einen oder anderen um einen Zwanzigmarkschein und garantiert mit immer neuen absonderlichen Argumenten die baldige Rückzahlung.
Eckhard Henscheid, einstiger Redakteur bei einem Frankfurter Satire-Blatt, ausgewiesener Dostojewski-Kenner und großer Opern-Fan, schreibt in Die Vollidioten süffisant, nicht immer politisch korrekt, mit viel Liebe zum Detail und in fast allen Spielarten des Humors über die Kunst der hochbetriebsamen Ereignislosigkeit.

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Karin Kiwus
Das Gesicht der Welt
Gedichte
Mit einem Nachwort
von Mirko Bonné

Im Jahr 1976 – kurz nach Rolf Dieter Brinkmanns Westwärts 1&2 und Hans Magnus Enzensbergers Mausoleum – erschien
der erste Gedichtband von Karin Kiwus: Von beiden Seiten der Gegenwart; es war ein Ereignis. Karl Krolow und Helmut Heißenbüttel begeisterten sich für ihre Gedichte, und Heinz Ludwig Arnold schrieb: »Soweit ich sehe, ist Karin Kiwus, vielleicht dank ihrer Unbefangenheit, die einzige Lyrikerin, der es gelungen ist, zwischen den Erkenntnissen der siebziger Jahre und der großen lyrischen Tradition zu vermitteln: beide zu verbinden in einem neuen Ton, der auch neue Maßstäbe setzt.« Vier Auflagen erfuhr der Band – und war in aller Munde. Auch die folgenden Titel ihrer Lyrikbände erzählen von der Zeit und lesen sich heute zeitenthoben: Angenommen später (1979), Das Chinesische Examen (1992) und Nach dem Leben (2006). Aus diesem vollen Fundus schöpft Das Gesicht der Welt, eine zeitlose Gesamtausgabe der Gedichte von Karin Kiwus, die aus der Geschichte der Lyrik der letzten Jahrzehnte nicht wegzudenken ist.

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Ror Wolf
Nachrichten aus der bewohnten Welt
Prosa IV
Herausgegeben von Kai U. Jürgens

»Ich werde Ihnen vielleicht etwas vom Regen erzählen, ich werde einen riesigen Regen erfinden, einen Regen, der dick
und schwarz von oben herabfließt, oder ich werde vom Schnee erzählen, den ich erfinde, ich werde ein ungeheures Schneefallen erfinden, ich werde ein Haus erfinden, das langsam im wachsenden Schnee verschwindet, oder ich werde eine ganz andere Geschichte erfinden, eines Tages, am Donnerstag, im Dezember.«
Geschichten über die Wortlosigkeit in den Alpen und dem Rand des atlantischen Ozeans, über die Zustände in Schlitz und die Gewalt des Gesangs in Nevada, über das Lachen der Matrosen und die vorübergehende Abschaffung der Schwierigkeiten – kurz: Erzählungen um Wetterverirrungen, Luftlosigkeiten, enge Handschuhe und in Ruhe gegessene Schnitzel. »Aber das war noch nichts im Vergleich zu dem, was später passierte.« (Ror Wolf)
Der Prosaband IV der Werkausgabe umfasst Nachrichten aus der bewohnten Welt (1991), die erweiterte Ausgabe von Zwei oder drei Jahre später (2003/2007) sowie den Horrorroman Die Vorzüge der Dunkelheit (2012).

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Juli Zeh
Treideln
Frankfurter Poetikvorlesungen

»Poetikvorlesung? Kommt nicht in Frage. Man ist entweder Autor oder Poetikbesitzer. Ich bin doch nicht mein eigener
Deutsch-Leistungskurs. Ohne mich.«
Mit Juli Zeh lehrte eine promovierte Juristin und streitbare, scharfsinnige Autorin im Sommersemester 2013 an der
Frankfurter Goethe-Universität als Gastdozentin für Poetik. Unter dem Titel Treideln sprach sie über Bedingungen und
Grundlagen ihrer literarischen Arbeit – und versuchte dabei, eine »Anti-Poetologie« zu entwerfen. Poetik, so sagt Juli Zeh, ist etwas für »Quacksalber, Schwächlinge, Oberlehrer, Zivilversager und andere Scharlatane«. Schreiben lebt von der »Poetikfeindlichkeit«, ist nämlich ein »verschriftlichtes Selbstgespräch«. »Poetik klingt immer so, als wüsste der Autor, was er da tut – dabei weiß er bestenfalls, was er getan hat.«
Alle fünf Vorlesungen gibt es jetzt zum Anschauen und Hören auf 2 dvds.

»Seit 1959 gibt es die Poetikvorlesung, die Nobelpreisträger Heinrich Böll und Günter Grass waren da, aber auf so kluge Weise unverkopft wie Juli Zeh hat noch niemand gesprochen.«
Werner D’Inka, Frankfurter Allgemeine Zeitung

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