Es gibt keine Regeln – Autoren und Öffentlichkeit

Wie passen Autorschaft und Öffentlichkeit zusammen? Am Workshopwochenende haben Rabea Edel und Ulrich Peltzer dazu Stellung bezogen und mit den TeilnehmerInnen und deren LektorInnen diskutiert.

Öffentlichkeit kann weh tun. Wenn Rabea Edel das Feuilleton aufschlägt und auf die Suche nach einer Rezension ihres neuen Buches geht, dann hofft sie: „Bitte kein Total-Verriss.“ Wenn Ulrich Peltzer eine schlechte Kritik findet, ernennt er den Rezensenten bis zur nächsten positiven Besprechung zum Feind: „Ich bin nicht frei von Narzissmus.“ Und fragt sich selbst: „Wie kann man mit der Öffentlichkeit umgehen, ohne umgebracht zu werden?“

Öffentlichkeit kann eine Notwendigkeit sein. Wird ein Buch veröffentlicht, stellt sich die Frage, ob man sich selbst vermarkten muss, um den Verkauf zu fördern und LeserInnen zu finden. Ulrich Peltzer zeigt sich in dieser Hinsicht nicht als Freund von Übertreibungen. „Wer sich zum Betriebskapser macht, wird nicht mehr ernstgenommen. Qualität misst sich nicht an Verkaufszahlen.“ Und Rabea Edel stellt klar: „Verlage zwingen ihre Autoren zu nichts.“ Also alles kann, nichts muss?

Lars Claßen, Lektor beim Suhrkamp Verlag, glaubt: „Die meisten Autoren wollen Vermarktung.“ Für Thomas Tebbe vom Piper Verlag klingt das zu sehr nach Maschinerie. Er formuliert es lieber so: „Menschen wollen ihr geliebtes Projekt nach vorne bringen.“ Aber wenn sie sich dafür nicht persönlich der Öffentlichkeit stellen wollten, dann sei das kein Beinbruch. Kürzlich habe der Verlag darauf verzichtet, einen amerikanischen Autoren zur Lesereise nach Deutschland einzuladen, weil diesem das einfach nicht liege. „Wir fragen uns, ob wir einem Autor die Öffentlichkeit zumuten können.“
Auf die Frage einer Lyrikerin, mit welchen Strategien man mehr Öffentlichkeit für seine Texte schaffen könne, fehlt das Patentrezept. „Für Kooperationen offen sein“, rät Rabea Edel. „Es gibt keine Regeln – das ist völlig individuell“, lautet die Antwort von Christian Ruzicska, Verleger beim Secession Verlag.

Öffentlichkeit bedeutet Information. AutorInnen können Strömungen und Positionen aufgreifen, die in den Medien verhandelt werden und sich selbst dazu positionieren. „In Rezensionen wird Literaturpolitik gemacht“, ist sich Ulrich Peltzer sicher. „Wenn ich Rezensionen lese, dann checke ich Positionen: Welche Formen des Schreibens werden gefeatured? Wie tickt der Betrieb gerade?“ Sein eigenes Schreiben beeinflusse das aber nicht. Rabea Edel hat das Feuilleton dagegen aufgegeben: „Das interessiert mich seit einer Weile nicht mehr. Dort werden nur schwammige Allgemeinplätze verhandelt.“


Viktoria Hahn studiert Angewandte Literaturwissenschaft an der FU Berlin und hat beim Open Mike 2013 die Organisation unterstützt

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