Lea Schneider: Gedichte

Julia Graf stellt die letzte Lyrikerin, die wir an diesem Wochenende hören, vor. Sie ist Mitglied des Berliner Lyrikkollektivs G13, übersetzt chinesische Lyrik und schreibt laut Graf „konzentrierte, dicht getaktete Lyrik, die sehr anschaulich zur Abstraktion schreitet“.

Lea Schneiders Gedichte bilden auf dem Papier geschlossene, kurze Blöcke, in denen sich die Bilder eng aneinanderdrängen. Auf der Bühne wirkt das viel leichter, hell und licht, und es passt, dass sie während der Lesung immer wieder offen, fast neugierig Blicke in das Publikum wirft. Diese Lyrik ist nicht vergeistigt, introspektiv, der Wahrnehmungsapparat ist hier ganz auf Empfang geschaltet.

Besonders drei Bereiche lassen sich erkennen, die in diesen Gedichten eine Rolle spielen: Seepferdchen, Badekappen – hier wird Kindheit aufgerufen, fragil und zerbrechlich; Fotos, das Erinnerungsmedium, aber dann plötzlich beunruhigend: Kanister und „ein Fremdkörper“. An dieser Stelle wird es kurz schwierig: Die immer noch helle, freundliche Stimme Lea Schneiders mag, wenn es auf dem Papier beunruhigend, verstörend wird, nicht mehr so recht passen; vielleicht ist es das Verstörende nicht ihre Königsdisziplin. Verzögerungen im Ablaufplan, Vor- und Zurückspulen, Eingreifpunkte, eine Ethik im Futur II: Zu der Kindheitsebene fügt sich im weiteren Verlauf eine Art technische, fachsprachliche Ebene hinzu, mit der Lea Schneider spielerisch umgeht, indem sie sie, ihrem ursprünglichen Kontext entrissen, auf Zwischenmenschliches und Körperlichkeit anwendet. Das funktioniert, das passt. Dann der von Julia Graf in der Anmoderation genannte kolloquiale Teil, hier wieder sehr lässig zum Publikum gewandt, sorgt für leichte Lacher im Publikum, steht aber in merkwürdigem Kontrast zum restlichen, vorwiegend hochsprachlichen Teil. Anders formuliert ist das aber auch vielleicht die Abwechslung, die diese Gedichte wieder spannend macht?

In Kombination ein sicherer, lockerer Auftritt, Lea Schneider hat eine eigene Sprache und Bildwelten gefunden, in denen sie sich sichtlich wohlfühlt.

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