Dmitrij Gawrisch: „Schaukelgestühl ganse en bräune“

Einige Lemmata aus dem Wörterbuch Gawrisch – Deutsch: „Dringlichkeitsvisite im Gewölbe“ = Pissen, „in Öl gebrutzelte Ausschnitte vom Schwein“ = Fleisch, „vorrücks entleeren“ = Kotzen, „mit Worthäufungen bestäubte Bretter“ = Regale, „ein Papierchen beüben mit feschen Worten“ = eine Notiz hinterlassen. Es joycet und jandlt und beckettet und schwittert in „Schaukelgestühl ganse en bräune“. Ein nachgeborener Avantgardist.

Gawrisch spielt mit einem aus der Welt gefallenen Ich-Erzähler, einem Schreibenden, der sich zwischen den Wörtern verlaufen hat wie in einem Wald modriger Pilze und den jedes Ding zu einem Akt der Wortneuschöpfung beflügelt:

Erst wollte mir keine rechte Nomenklatur für dieses Ding, diese Sache, dieses Objekt, diesen Gegenstand, diese Chose, dieses Teil, diese Substanz einfallen, aber schließlich wurde mir erleuchtet, und so will ich diese krumme Materie von bedeutender Sitzgelegenheit in folgenden Bekundungen, schlicht, Schaukelstuhl taufen.

Gawrisch liest nüchtern, hinterrücks verschmitzt, will mir scheinen, in schaukelstühlerndem Sing-Sang. „Der ist gut“, sagt Fabian, kopfwiegernd mit gespitzeltem Essklaff. Da befindet meine Kümmerlichkeit ganse das gleiche.

2 Kommentare

  1. […] Prosa: Dmitrij Gawrisch, Jens Eisel, Lyrik: Maren Kames […]

  2. […] Dmitrij Gawrisch, Jens Eisel, Lyrik: Maren […]

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