Christian Schulteisz: „satt“

Schau, dein Schrank ist schon eingeräumt, übersichtlich, stimmts?

Marcel, der Protagonist in „satt“, ist alles andere als übersichtlich. Er ist stark übergewichtig, aber nicht nur den eigenen Körper, sondern auch sein Leben überblickt er nicht. Es ist von seiner Mutter maßgeschneidert. Sie versorgt ihn mit Essen, aber nicht mit Töpfen, damit er nicht selbst kocht, sondern nur aufwärmt. Tupperdosen stapeln sich im Gefrierfach, sind schon „älter als der Mietvertrag“.

Doch Marcel rebelliert, wenn auch nicht im großen Stil. Er leert die Dosen, entsorgt das Essen. Marcel schwankt zwischen Vorwürfen und Dankbarkeit, rebelliert eher aus Paranoia denn aus Wut. Er fühlt sich überwacht von seiner Familie, die nebenan wohnt, will selbstständig sein und abnehmen.

Eine Szene, in der Marcels Vater seinen eigenen Schwiegervater mit dem Gartenschlauch malträtiert, sorgt zwar für Lacher, wirkt aber etwas verloren, fügt sich nicht richtig in die Erzählung ein. Christian Schulteisz präsentiert eine Muttersöhnchen-Geschichte, die nett anzuhören ist, aber etwas ziellos daherkommt. Sie ist weder wirklich tragisch, noch wirklich komisch.

Seine Lektorin Ulrike Ostermeyer hebt die unprätentiöse Art hervor, mit der Christian Schulteisz „Selbstekeln und Wut Leben einhaucht“. Dagegen lässt sich wohl nichts sagen. Höchstens, dass das eingehauchte Leben etwas Ordnung vertragen könnte.

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