EIN LEKTOR UND DREI FRAGEN AN IHN, CHRISTIAN RUZICSKA

Christian Ruzicska, der in den neunziger Jahren den Tropen Verlag mit gegründet hat, ist heute zusammen mit Joachim Zepelin der Verleger des Zürcher Secession Verlag für Literatur, der im Herbst 2010 sein erstes Programm publizierte. Neben seiner Arbeit als Verleger hat er viele Jahre als freier Dramaturg den in Berlin lebenden Theaterregisseur Albert Lang bei dessen Inszenierungen begleitet, für seinen Verlag übersetzt er aus dem Französischen Autoren wie Hélène Bessette, Jérôme Ferrari und Emmanuelle Bayamack-Tam.

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Drei Fragen an Christian Ruzicska, Secession Verlag

Mit welchen Erwartungen sind Sie an die open mike-Texte herangegangen?

Mit gar keiner Erwartung. Ich war neugierig. Und wie es ist, wenn man neugierig ist, sieht man manchmal ganz wunderbare Dinge, manchmal auch keine so wunderbaren Dinge. Das war jetzt nicht anders, und auch wenn ablesbar war, dass ausgesprochen viele der Einsendungen thematisch wie stilistisch Gemeinplätze widerspiegelten, so ist doch immerhin zu würdigen, dass von den Teilnehmern überhaupt bewusst der Schritt gewagt wurde, sich wagemutig ein Herz zu fassen und über das Konsumieren von Literatur hin zum Produzieren von Texten zu gelangen und diese als Lektüre an Fremde einzureichen, die sie ja bewerten sollten, was an sich ein sehr schwieriger und schmerzhafter Prozess ist. Ich frage mich, welchen der vor allem jungen Menschen ich den Mut zusprechen möchte, aus ihren sehr persönlichen Erfahrungs- und Gedankenwelten, aus ihren Beobachtungen und aus ihrer Menschenkenntnis heraus zu arbeiten: vielleicht eher jenen, die ganz wenig von der Dominanz der markttauglichen Techniken und Themen in sich aufgenommen haben, also jenen, die an den Rändern des Gesellschaftlichen lieber auf eigene als auf fremde Erfahrung zurückgreifen.

Welche Kriterien haben Sie an die Texte angelegt – waren es dieselben, die Sie bei Ihrer Auswahl im Verlag anlegen?

Ich kann das gar nicht so genau definieren, welche Kriterien ich anlege beim Lesen: ich würde sogar sagen: bewusst zumindest gar keine, ich möchte mich überraschen lassen und spüren, dass mich ein Text zwingend bei sich hält, ob nun rhythmisch, durch den bewussten Einsatz grammatikalisch interessanter Strukturen, durch die Melodie, die Klänge der Vokale, ihre Dunkelheit zum Beispiel oder ihre stechende Helligkeit, durch das Vokabular, das Zusammenspiel dieser Dinge mit dem Inhalt: wer erzählt denn sich in der Sprache? Und was? Und falls ich permanent mir bekannten Dingen begegne, so werde ich müde und traurig darüber, falls nicht, was für ein Glück!

Gibt es etwas, das Ihnen bei der Vorauswahl an den Texten aufgefallen ist?

Anfangs hatte ich das Gefühl, die mir vorliegenden Texte verhandeln fast alle ein und dasselbe Thema: das ging so weit, dass sich die Texte in ihren Formulierungen glichen. Ich war entsetzt: Dann aber änderte sich das und ich war beruhigt und bin auch wieder neugierig geworden: und dann plötzlich waren da zwei ganz zwingende Texte und ein dritter, dem ich besonders viel Glück wünsche.

Die Kandidaten von Christian Ruzicska:

Dmitrij Gawrisch, Berlin

Jonathan A. Rose, Berlin

Paula Schweers, Leipzig

2 Kommentare

  1. Sehr sympathisch.
    Aber open mike: Könnt ihr das mal richtig schreiben? Letzte Frage: „Gibt es etwas, DAS“ …

    1. Ja. Kommt davon, wenn man den Text nicht selbst Korrektur liest …

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