Auf ein Wort, Martin Piekar

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Was macht man so, wenn man den Open Mike gewonnen hat? Martin Piekar hat gerade sechs Gedichte in der Neuen Rundschau veröffentlicht, bereitet seinen Debütband vor – und freut sich über die ersten Kirschblüten.

Hallo Martin! Wie geht’s, genießt du den Frühling in Bad Soden?

Hallo Fabian! Ja, Frühling ist was Feines. Es blühen die Kirschblüten und machen mich froh, dabei ist nächste Woche, spätestens übernächste alles vorbei, der Zeitraum der rosafarbenen Kirschblüten geht schnell vorbei, dann werden rote, robuste Blätter draus. Die Temperaturen steigen und ich genieße es noch, im Sommer sterbe ich vor Hitze.

Ich steige direkt mal in die Materie ein: Du machst in deinen Texten häufig Inspirationen und Einflüsse kenntlich, zum Beispiel aus dem Surrealismus. In einem deiner neuen Gedichte zitierst du jetzt aber Claes Oldenburgs „Bedroom Ensemble“, eine Pop-Art Installation, die ganz stark mit Elementen des Kitsch arbeitet. Wie bist du auf speziell dieses Kunstwerk aufmerksam geworden?

„lyrix“ – ein Wettbewerb vom Deutschlandradio, bei dem ich auch mal Gewinner war – veranstaltet für Schülerinnen und Schüler immer Schreibwerkstätten in Museen, Kunst verbindet sich ja, Kunst ist osmotisch (siehe Neue Rundschau) und diese Idee find ich großartig. Als Frankfurt am Main an der Reihe war, war ich schon lange Student, aber das lyrix-team erinnerte sich an mich und hat mir erlaubt mit dem Dichter Marcus Roloff – dem damaligen Leiter des Workshops – und den Schülerinnen und Schülern hinein zu gehen und zu arbeiten, sozusagen als ehemaliger Gewinner, also lyrixler mit Erfahrung. Dabei werden immer 1-2 Kunstwerke der vom Deutschlandradio ausgewählten Museen ins Zentrum des poetischen Schaffens gerückt – also direktes Schreiben zu/über/von Kunst. Darunter fiel eben das Bedroom Ensemble von Claes Oldenburg. Übrigens hat Marcus Roloff auch Gedichte dazu/darüber geschrieben und sie sind gerade in der SpritZ erschienen – der Lauf der Lyrik. Das Bedroom Ensemble war mir sofort unsympathisch und das war mir sympathisch. Bei einer Installation solcher Art – ein Schlafzimmer – ob Pop-Art oder nicht – darf einfach nicht ein gewöhnliches Schlafzimmer da stehen. Wie sollte das auch aussehen, was ist ein gewöhnliches Schlafzimmer – jetzt kommen wir ins Fragen. Aber dieses Schlafzimmer ist wirklich kitschig, aber auch ideologisch, weltfremd und menschenscheu. Der Kitsch darin ist etwas, was uns andauernd umgibt oder uns suggeriert wird – ich finde in der Kunst sollte es nicht darum gehen, den Kopf vom Kitsch abzuwenden, man sollte ihn nicht vermehren, aber wir müssen mit ihm umgehen. Kitsch ist überall und nirgendwo mehr wegzudenken.

Was spielt Kitsch als Spielart der Pop-Art in deinen Gedichten für eine Rolle?

Der kritische oder auch humorvolle Umgang mit Kitsch ist immer etwas, das eine Reflektion in Gang bringen kann und das strebe ich an; auch bei mir. Ich würde behaupten, dass ich Kitsch verabscheue und müsste eingestehen, selbst zeitweise kitschig zu werden. Kitsch ist auch etwas verdammt Persönliches, selbst wenn er überall ist, hat jeder genauso seinen persönlichen Kitsch wie seinen persönlichen Fetisch (manchmal deckungsgleich). Die Frage ist, wie man damit künstlerisch umgeht, inwieweit man etwas so Persönliches so veröffentlicht, und die Art und Weise ist immer wichtig. Bei meinen Gedichten zu Claes Oldenburg habe ich versucht, den Kitsch wirklich spielerisch zu verwenden – ein Leopardenmantel, der eine blauschwappende Kommode beißen will – sein Facebooktitelbild mit dem Bild seines wunderschönperfekten Schlafzimmers zu aktualisieren (wer will denn schon solch ein perfektes Schlafzimmer, es ist unbelebt) – Gemälde wie von Pollock aber in geometrischen Mustern und natürlich bei Einrichtung der ganze Gedanke an Ikea, Ikea, Ikea – wie richten wir uns eigentlich ein? Unser Schlafzimmer ist Teil unserer intimen Welt; damit möchte ich auch über Sex hinausgehen, viel intimer noch – meine Lieblingsbücher, -bilder, -filme, Kitsch, Nippes, emotionaler Ballast, usw. Vom Kitsch kam ich hier zur Intimität – auch interessant. Abschließend würde ich sagen, Kitsch darf in meinen Gedichten sein, wenn sie nicht kitschig sind – das ist die große Herausforderung. Zu Pop-Art gilt zu sagen: Wenn es mich anmacht und nachdenken macht, dann gefällt es mir – ich bin nicht genregebunden.

Gerade hast du in der hochrenommierten Neuen Rundschau veröffentlicht, Thema Lyrikosmose³, und auch in der nächsten Ausgabe von ]trash[pool werden Texte von dir erscheinen. Wie geht es weiter, arbeitest du bereits an deinem ersten Buch?

Ja, so schaut es aus. Ich versuche weiter, Texte bei Literaturzeitschriften unterzubringen und Möglichkeiten wie Wettbewerbe und Lesungen zu nutzen, um aktuell zu bleiben. Denn ja: Ich arbeite an meinem ersten Band und ja: ich habe einen Verlag, der mir zugesagt hat. Welcher es ist, wird schon noch früh genug propagiert, naja eigentlich wissen es schon so viele Menschen, ob das noch einen Unterschied macht? Das Verlagshaus Frank aus Berlin hat sich meiner angenommen und ist von meinem Manuskript überzeugt und ich von dem Verlag – ein gutes Verhältnis. Allein das Motto: Poetisiert euch! – diesen Imperativ unterschreibe ich und befolge ich gern. Und werd ihn sicher noch häufig genug herausplärren, es ist nämlich auch meine Überzeugung: Wir sollten uns mehr poetisieren. Nächstes Jahr kann man sich dann mit meinem Gedichtband poetisieren.

Vielen Dank für das Gespräch!

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