Vorgestellt, aber selbst noch nicht gelesen #4, Schöffling & Co.

Noch kamen wir nicht dazu, all die Bücher zu lesen, die gerade um uns herum erscheinen. Trotzdem wollen wir Euch in den nächsten Tagen einige vorstellen, von denen wir denken, sie sind gut, interessant und es wert, dass wir sie alle lesen. Wir verlassen uns dabei ganz auf unseren Instinkt und die Verlagsprosa.

tesla42.de, 2013

tesla42.de, 2013

Heute: Schöffling & Co

Sascha Reh, Gibraltar

Roman
Umschlagbild von Christian Brandl

Beim Versuch, mit griechischen Staatsanleihen ein lukratives, aber hochgefährliches Spekulationsgeschäft zu machen, setzt der Investmentbanker Bernhard Milbrandt das Kernkapital des traditionsreichen Bankhauses Alberts aufs Spiel. Anstatt die Forderungen zu begleichen, flieht er in eine südspanische Apartmentanlage, die sich als gespenstische Investitionsruine erweist. Während er fieberhaft immer weiter mit virtuellen Beträgen jongliert, mehren sich die Anzeichen dafür, dass er in der scheinbar menschenleeren Siedlung nicht allein ist …

Unterdessen entbrennt eine Verfolgungsjagd nach Bernhard und dem Geld, die von Berlin und Frankfurt bis nach Gibraltar führt. Es stellt sich heraus, dass das Unternehmen der Familie Alberts tief in persönliche und geschichtliche Schuld verstrickt ist.

Sascha Rehs zweiter Roman stellt mit erzählerischer Leidenschaft und Präzision Fragen nach Schuld und Verantwortung für unser vergangenes und künftiges Leben.

Rezensionen

»Bei Sascha Reh ist die Finanzkrise Geschichte – und was für eine! (…) Sascha Reh, 38, beeindruckte 2010 mit seinem Debütroman FALSCHER FRÜHLING über eine Familienkrise. Ausgezeichnet wurde er damals für sein erzählerisches Niveau, die intellektuelle Tiefe und den artifiziellen Aufbau – alles Eigenschaften, die auch GIBRALTAR aus den Frühjahrsneuerscheinungen herausragen lässt.«
Maren Keller, KulturSPIEGEL

»Ein glänzend geschriebener und ungemein vielschichtiger Roman.«
Verena Lugert, annabelle

»Mit GIBRALTAR beweist der preisgekrönte Autor Sascha Reh, dass aktuelle gesellschaftliche Themen für hochkarätige Literatur taugen.«
Hörzu

»Rasant und nah an dem, was unsere Zeit umtreibt. Ein Gegenwartsroman.«
Christoph Schröder, Journal Frankfurt

»GIBRALTAR bricht die Finanzkrise auf einen Familienkosmos herunter, ohne sich auf eindeutige Antworten zu den verhandelten Krisen und ihren Ursachen festzulegen. Reh seziert dafür das Seelenleben seiner Protagonisten mit analytischer Feinheit und ebenso feinem Humor.«
Tim Caspar Boehme, die tageszeitung

»Packend beschreibt der Autor die Gedankenwelt eines Spekulanten, der hochriskante Geschäfte mit griechischen Staatsanleihen macht.«
Stefan Sprang, Hessischer Rundfunk HR1

»Es ist eine feinschmeckerische Freude, mit der Sascha Reh den Panzer der Figuren aufknackt. Er fegt die Lügen weg, macht das Hässliche, Gemeine sichtbar, entlarvt verrottete moralische Werte und verlogene Beziehungen.«
Susanne Plecher, Sächsische Zeitung

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Markus Orths, Irgendwann ist Schluss

Erzählungen
Umschlagbild von Michael Sowa

Das Leben ist ein wilder Kampf und die Sprache die wichtigste Waffe. Mit Rasanz, Witz und Leidenschaft erzählt Markus Orths von Menschen, die sich gegen uralte Ängste wehren und gegen konkrete existenzielle Bedrohungen; Menschen, die um Liebe und Erkenntnis ringen, um Sicherheit, Würde und Selbstbestimmung: Ein Mann flüchtet sich vor vermeintlichen Feinden in den Palast seiner Kindheit und wird dabei zu einem Gefangenen seiner selbst. Ein Wutbürger verklagt die Bundesrepublik Deutschland. Ein Konzernchef wird in die Falle gelockt und mit seinen Opfern konfrontiert. Überall geht es ums Ganze: beim Therapeuten, auf einer einsamen Insel, beim Ghostwriting von Dissertationen oder bei der abenteuerlichen Suche nach dem lang Ersehnten.

Markus Orths spielt variantenreich und virtuos mit Genres und Situationen, die jederzeit ins Groteske kippen können – als sei das Leben die Konstellation auf einem Snookertisch, ein Kammerspiel im Restaurant oder das Drehbuch zu einer Fernsehsoap. Unbekümmert werden dabei die Rollen getauscht, Erwartungen durchbrochen und jede Menge Haken geschlagen. Und immer wieder schreit oder flüstert jemand: »Irgendwann ist Schluss.«

Rezensionen

»In seinem neuen Erzählband präsentiert Markus Orths, ein virtuoser Autor insbesondere der kurzen Form, Protagonisten, die Opfer von Übertreibung und Wahn werden. Darin ist Orths ein Meister schon seit seinem Debutband WER GEHT WO HINTERM SARG? Zwei seiner acht neuen Geschichten sind von so nachgerade klassischer Qualität, dass man ihnen die Aufnahme in die Lehrpläne nur dringend wünschen kann. Orths‘ Metier ist die Groteske, ihn interessiert der Moment, wo etwas ins Bizarre kippt. In einer meiner Lieblingsgeschichten geht es um einen Rentner, Karl Bischoff, ein moderater, maßvoller Mensch, und eines Tages beschließt er, ganz gegen seine Gewohnheit, Klage einzureichen gegen die Bundesrepublik Deutschland wegen Veruntreuung von Steuergeldern. Wie Orths das schreibt, das ist schlichtweg brillant. Ein sehr temporeicher Stil charakterisiert auch diese Prosa wieder, und das Schöne daran ist, dass bisweilen auch darin die Boshaftigkeit aufblitzt.«
Knut Cordsen, Deutschlandradio Kultur

»Das Detail ist realistisch, der große Zusammenhang irreal wie in Bildern von Magritte oder Dalí. … Groteske, bitterböse Gesellschaftsparodie: Diese Protagonisten stehen am Abgrund, sind egozentrisch, zum Teil gespalten, aber ihr Verhalten ist dann so geartet, dass das Ganze einem wie eine Satire auf die Gesellschaft vorkommt, und zwar eine Satire auf alles, was uns heilig ist, auf das Internet, die Politik, das Bildungssystem, auf Soap Operas oder auch auf die Psychotherapie … Markus Orths ist ein Wortakrobat, ein unglaublich geschliffener Erzähler. Er dringt in alle Hirnwindungen seiner schrägen Ich-Erzähler ein und bildet deren mehr oder weniger abstruse Gedankengänge ganz genau nach, mit ganz kühlem Blick und mit spitzer Feder. … Die Sprache ist hier nicht nur ein Mittel des Erzählens, sondern sie ist manchmal auch Gegenstand des Erzählens selber. Orths demonstriert, wie Sprache verführen kann, wie sie vergiften kann, wie sie retten kann, und wie sie eben auch vernichten kann.«
Sylvia Schwab, Hessischer Rundfunk HR2

»Dass dem Snooker-Spiel etwas Dämonisches innewohnt, beschreibt Markus Orths in ‚Shot To Nothing‘, einem von vielen großartigen Texten seines Erzählbandes IRGENDWANN IST SCHLUSS: eine Art literarische Irrenanstalt für die Hoffnungslosen, Lebensmüden und die verwirrten Menschen mit Verfolgungswahn. Eine Schmerzensreise, in der Zehen abgeschnitten werden, Menschen an Schläuchen hängend verenden, in der riesengroße Spinnen auftauchen, zwischen Todesfratzen und Killerzwergen. Ein Tor geht auf, das Grauen kommt herein. Es gibt irre Gedanken, die in den Figuren so stark kreisen, dass sie sich gegenseitig fressen. Das Denken beißt sich selbst in den Schwanz. Die Irren sind nicht nur unter uns – wir sind sie selbst. Wie schnell das Leben kippen kann, beschreibt Orths bravourös in seinem neuen Buch.«
Jan Drees, WDR 1LIVE

»Mysteriöses, Beunruhigendes geschieht in diesen Erzählungen. Es geht um Ideen, die von gewöhnlichen Menschen Besitz ergreifen, um Spielarten des Wahnsinns, die als Normalität wahrgenommen werden. Markus Orths schafft es auf subtile Weise, die Spirale des Möglichen weiterzudrehen ins Aberwitzige und Groteske. Das Leitmotiv des Endes verleiht dem Ganzen einen mal tragischen, mal komischen Grundton, der Orths’ literarisches Können eindrucksvoll unterstreicht.«
Helmut Haberkamm, Nürnberger Nachrichten

»Orths jongliert überlegt mit seinen handlich abgepackten Sätzen, bis sie mal klingen wie eine Suada von Thomas Bernhard, mal wie ein Krimi von Montalban. Aber immer nachdenkenswert und unterhaltsam.«
Ingrid Mylo, Badische Zeitung

»Kurz bevor dann wirklich Schluss ist, gibt es noch eine hochkomische Kostbarkeit – die Geschichte VIER STUNDEN IM GARTEN GELEGEN, die der Autor ‚Bonus-Track‘ nennt. Sie hat es in sich. Bei der nächsten Lesereise hat der in Karlsruhe lebende Markus Orths jedenfalls einen Publikumshit im Gepäck. In der besten Geschichte des Bandes geht es um Spiel und Ernst, Zufall und Notwendigkeit, Verbrechen und Gnade, letztlich um nichts Geringeres als Leben und Tod. An der Oberfläche des Geschehens – und sie ist hier das wesenhaft Schöne – handelt die Erzählung SHOT TO NOTHING so detailpräzise wie hochsinnlich von einer Sportart, die vor allem eine Seinsweise ist: Snooker, die Königsdisziplin des Billards.«
Jochen Hieber, Frankfurter Allgemeine Zeitung

»Wenige Autoren verstehen es wie er, Vergnüglichkeit und Anspruch, Leichtigkeit und Tiefgang mieinander zu verbinden. Sieben Mal. Zuzüglich eines – natürlich wunderlich verschrobenen – ›Bonustracks‹.«
Dierk Wolters, Frankfurter Neue Presse

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Lars Reyer, Magische Maschinen

Lars Reyer führt seine Leser durch industrialisierte Landschaften. Über Schotterstraßen, vorbei am Elektro-Weidezaun, durch Treppenhäuser und in verwinkelte Keller; die ausgehöhlten Räume der Ex-Industrie blühen vor uns auf, ein prächtiger Walduntergang. Es ist kein Entkommen, keine Flucht möglich – wohin auch? Das Material, mit dem Reyer arbeitet, sind Stahlwolle und der chromumflirrte Kopf der Silberdistel, er nimmt Schraubenzieher, -schlüssel und Sezierbesteck zur Hand. Wir folgen ihm in eine Welt des Rausches, hören seine Tapes, bewundern seine Anlehnungen, in denen die erzählerischen Elemente der englischen Moderne – say: Eliot, say: Dylan Thomas – ihren logischen Nachklang finden und im Sound einer allgegenwärtigen Vergangenheit aufgehen. Wir trinken seinen Schnaps aus Holunderbeeren und weißem Klee und setzen die Kopfhörer auf.
Am Ende gehen die Körper, sagt Lars Reyer; und er sagt auch: Junge komm nie wieder. Das glauben wir nicht.

Rezensionen

»Gedichte bestehen aus Worten. Aber nur, wer mit ihnen bewusst und mit Kunst umgeht, ist in der Lage, sie so zu setzen, dass sich aus wenigen Worten ein Film entrollt, in dem jede Szene die vergehende Zeit spüren lässt. Ich kenne kaum einen Lyriker der jungen Generation, dem das so gut und so oft gelingt wie Lars Reyer.«
Norbert Hummelt

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Silke Scheuermann, Der Tag an dem die Möwen zweistimmig sangen

Gedichte 2001-2008
Mit einem Nachwort von Dorothea von Törne
Umschlagbild von Win Knowlton

Silke Scheuermann debütierte 2001 mit dem von Presse und Publikum hochgelobten Gedichtband DER TAG AN DEM DIE MÖWEN ZWEISTIMMIG SANGEN, dem »wohl erfolgreichsten Debüt einer neuen lyrischen Stimme in den letzten Jahren« (Joachim Sartorius, SÜDDEUTSCHE ZEITUNG). 2004 folgte DER ZÄRTLICHSTE PUNKT IM ALL: Gedichte, in denen Ausflüge ins Mythische mit lakonischen Beschreibungen der Gegenwart korrespondieren. »Silke Scheuermanns Gedichte sind hervorragende Träger für die Wahrnehmung unserer Wirklichkeit. Sie sind stabil, wagen das Gefühl, sind voller Ideen und extrem leitfähig für unbewusste Bilder.« (Hauke Hückstädt, FRANKFURTER RUNDSCHAU)

DER TAG AN DEM DIE MÖWEN ZWEISTIMMIG SANGEN. GEDICHTE 2001-2008 versammelt die beiden ersten Gedichtbücher von Silke Scheuermann, die bisher nur als Sonderdruck erschienenen Sonette VOGELFLÜGE sowie eine Auswahl unveröffentlichter Gedichte.

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Juli Zeh, Treideln

Frankfurter Poetikvorlesungen

»Poetikvorlesung? Kommt nicht in Frage. Man ist entweder Autor oder Poetikbesitzer. Ich bin doch nicht mein eigener Deutsch-Leistungskurs. Ohne mich.«
Mit Juli Zeh wird eine promovierte Juristin und streitbare, scharfsinnige Autorin im Sommersemester 2013 an der Frankfurter Goethe-Universität als Gastdozentin für Poetik lehren. Unter dem Titel TREIDELN wird sie über Bedingungen und Grundlagen ihrer literarischen Arbeit sprechen – und dabei versuchen, eine »Anti-Poetologie« zu entwerfen.
Poetik, so sagt Juli Zeh, ist etwas für »Quacksalber, Schwächlinge, Oberlehrer, Zivilversager und andere Scharlatane«. Schreiben lebt von der »Poetikfeindlichkeit«, ist nämlich ein »verschriftlichtes Selbstgespräch«. »Poetik klingt immer so, als wüsste der Autor, was er da tut – dabei weiß er bestenfalls, was er GETAN HAT.«
Von dieser Erkenntnis her lässt sich befreit aufspielen und wunderbar poetologisieren; über die Bedeutung der Erinnerung für das Schreiben zum Beispiel: »Ein Ereignis ist nicht das, was passiert ist, sondern das, was erzählt werden kann.«

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