Vorgestellt, aber selbst noch nicht gelesen #2, Jung und Jung

Noch kamen wir nicht dazu, all die Bücher zu lesen, die gerade um uns herum erscheinen. Trotzdem wollen wir Euch in den nächsten Tagen einige vorstellen, von denen wir denken, sie sind gut, interessant und es wert, dass wir sie alle lesen. Wir verlassen uns dabei ganz auf unseren Instinkt und die Verlagsprosa.

Heute: Jung und Jung

Vorschau Jung und Jung, ©tesla42.de, 2013

Vorschau Jung und Jung, ©tesla42.de, 2013

Saskia Hennig von Lange: Alles, was draußen ist

Eine Novelle

Was sagt der Verlag?

Wir sind nur dann ganz wir selbst, wenn wir außer uns sind. Sage keiner, dass aus dieser Tatsache nicht immer wieder schönste Literatur entstanden ist. Eine fulminante Geschichte der Entgrenzung erzählt auch Saskia Hennig von Langes ganz und gar erstaunliches Debüt »Alles, was draußen ist«.
Ein anatomisches Museum mit seinen Präparaten, Modellen und Totenmasken, eine schöne Unbekannte aus der Seine und ein Robespierre, und mittendrin ein Mann, der sich im Laufe der Jahre selbst zum Objekt geworden ist. In sprachlich genauen Notaten führt er Buch über sein Leben und seine Gänge durchs Haus, über das seltsame Inventar und über eine immer wieder hörbare, aber unsichtbare »Untendrunterwohnerin«.
Diese Novelle ist ein literarisches Kunststück, in dem das Unbewusste offenbar wird und in dem die menschlichen Oberflächen eine unergründbare Tiefe zeigen. Vom Körper, von der Haut und den Sinnen führt der Weg der Erzählung in Abgründe, in denen ferne Verhängnisse ebenso nachhallen wie die großen Stoffe der Literatur.

Saskia Hennig von Lange
Geboren 1976 lebt mit ihrem Mann und den beiden Kindern in Frankfurt

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Nellja Veremej: Berlin liegt im Osten

Was sagt der Verlag?

Aus einem kaukasischen Städtchen über Leningrad bis nach Berlin führt das grandiose Roman-Debüt von Nellja Veremej, das seine geographischen und kulturellen Motive schon im Titel trägt. »Berlin liegt im Osten« heißt das Buch, in dem von den städtischen Enklaven russischer Migranten ebenso farbig erzählt wird wie von Provinzkindheiten in der ehemaligen Sowjetunion. Das Berlin dieses Romans, der rund um den Alexanderplatz spielt, hat seine Reservate der Einsamkeit und der Lebensfreude, und es wird durch die unnachahmliche Stimme einer Ich-Erzählerin lebendig, die den nur scheinbar unspektakulären Beruf einer Altenpflegerin ausübt. Durch sie hindurch wandern die Lebensgeschichten der Klienten und verbinden sich mit ihrer eigenen Biografie. Darin gibt es neben dem aberwitzigen, fast surrealen Osten auch ein Deutschland, in dem diese Frau endgültig anzukommen versucht. »Berlin liegt im Osten« lebt von der zarten Zuneigung der Autorin zu ihren Figuren, der Roman entwirft ein großes Panorama aus Geschichten und Geschichte, und er handelt vom Anfang allen Erzählens: von der Erinnerung.

Nellja Veremej
Geboren 1963 in der Sowjetunion, lebt seit 1994 in Berlin.

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Ernst Herbeck: Der Hase!!!!

Ausgewählte Texte, herausgegeben von Gisela Steinlechner

Was sagt der Verlag?

»Der Dichter / ordnet die Sprache / in kurzen Sätzen. / Was über ist, ist das / Gedicht selber«, schreibt Ernst Herbeck, der große und traurige Poet, der mit den Worten jongliert und ganz ohne literarisches Netz gearbeitet hat. In den späten vierziger Jahren ist der 1920 geborene Beamtensohn in die Niederösterreichische Landesnervenklinik Gugging gekommen. Als Patient von seinem Psychiater Leo Navratil dazu aufgefordert, hat er kurze Notate und Gedichte geschrieben, die die Welt in ihrem zutiefst irritierenden und zugleich beeindruckenden Überfluss zeigen. Im alltäglichen Sprechen ist Ernst Herbeck bis zu seinem Tod 1991 nie heimisch geworden, und er hat vielleicht gerade deshalb ein einzigartiges poetisches Werk geschaffen, in dem die Sprache als »Notwendigkeit der Menschen« noch einmal erfunden wird. Das, »was über ist« bringt der Auswahlband »Der Hase!!!!« in neuer Fülle. Rund ein Viertel der vierhundert Texte stammt aus dem Nachlass und wird hier erstmals veröffentlicht. Ernst Herbecks vieldeutige Sprachkunst mit ihren überraschenden Wendungen, ihren herben Wahrheiten und lakonischen Melodien lässt sich damit wieder und zugleich neu entdecken.

Gisela Steinlechner, geboren 1961 in Tirol, lebt als Literaturwissenschaftlerin und Kulturpublizistin in Wien. Dissertation über Ernst Herbeck, Essays und Aufsätze u. a. zur Literatur des 20. und 21. Jahrhunderts, zur Outsider Art und Gegenwartskunst.

Ernst Herbeck
Geboren 1920 in Stockerau, starb 1991 in Gugging

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Christine Pitzke: Im Hotel der kleinen Bilder

Roman

Was sagt der Verlag?

Es ist die durchaus erträgliche Leichtigkeit des Seins: Ein Hotel im südfranzösischen La Ciotat, die Sonne, das Meer und ein paar Gäste, die die Tage wie im Traum zubringen. Christine Pitzkes neuer Roman »Im Hotel der kleinen Bilder« ist ihr bisher leichtester und atmosphärischster. Er fängt einen Sommer der Freuden ein, in dem das Leben ein einziges großes Kaleidoskop ist. Es besteht aus schönen Augenblicken, aus Erinnerungen, aus Liebe und Lust. Da ist Reymont, der etwas melancholische Geschäftsführer des Hotels, da sind die lebenstüchtige Silvie und der Mathematiker Paul. Und dann gibt es noch Madame Hoegner, den etwas rätselhaften Dauergast aus Deutschland. Im »Hotel der kleinen Bilder«, an dessen Wänden nicht zufällig große, reich geschmückte Teppiche hängen, setzt sich das Leben neu zusammen – als Feier seiner selbst und als Fest der Literatur.

Christine Pitzke
Geboren 1964 in Burghausen, lebt als freie Autorin in München.

Vorschau Jung und Jung, ©tesla42.de, 2013

Vorschau Jung und Jung, ©tesla42.de, 2013

Ildikó Noémi Nagy: Oh Bumerang

Stories, aus dem Ungarischen von György Buda

Was sagt der Verlag?

Was liegt zwischen Neu England und Budapest? Jede Menge Kilometer, aber auch jede Menge Stoff für Geschichten. Ildikó Noémi Nagy, in Vancouver geborene und in Connecticut und New York aufgewachsene amerikanisch-ungarische Schriftstellerin, hat das Leben zwischen den Welten in minimalistische Bilder gebracht, sie hat die Paradiese der Kindheit und die süßen Höllen der Liebe in einem Ton beschrieben, der souverän und tastend zugleich ist. »Oh Bumerang« heißen die Stories, die alle miteinander fast schon wieder einen ganzen Roman ergeben. Lakonischer kann man über Hochzeitsreisen mit der Schwiegermutter zu den Niagarafällen, über Budapester Hinterhoftristessen oder grandios gescheiterten Sex nicht schreiben. So amerikanisch war die ungarische Literatur noch nie – und die amerikanische noch nie so ungarisch. Mit »Oh Bumerang«, der ersten Übersetzung ins Deutsche, ist Ildikó Noémi Nagy unbedingt zu entdecken.

György Buda, geboren 1945 in Hutthurm (Bayern), Schulen in Ungarn, Österreich und Deutschland, Studium der Geologie, Übersetzer- und Dolmetscherausbildung. Er lebt in Wien. 2012 Staatspreis für die Übersetzung fremdsprachiger Literatur ins Deutsche

Ildikó Noémi Nagy
Geboren 1975 in Vancouver, Kanada. Sie wuchs in New York und Connecticut auf und lebt in Budapest.

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