Der open mike: Idee und Geschichte 1993-2012

Der open mike wird seit 1993 jährlich ausgeschrieben und hat sich seitdem zum wichtigsten Literatur-Nachwuchswettbewerb im deutschsprachigen Raum entwickelt. Viele Autoren, deren Namen heute aus dem Literaturbetrieb nicht mehr wegzudenken sind, haben ihre Karriere beim open mike in der Literaturwerkstatt Berlin gestartet, unter anderem Zsuzsa Bánk, Karen Duve, Julia Franck, Terézia Mora, Tilman Rammstedt, Kathrin Röggla, Jochen Schmidt und Ulf Stolterfoht.
Über 11.000 Autorinnen und Autoren haben sich im Laufe der Jahre für den open mike beworben. Waren es im ersten Jahr noch 120 Einsendungen, stieg die Zahl der Teilnehmer über die Jahre kontinuierlich an, seit einigen Jahren liegt der Schnitt konstant bei 650-700 eingesandten Texten. Zahlreiche Einsendungen aus dem Ausland – neben der Schweiz und Österreich auch u. a. Frankreich, Niederlande, Großbritannien, USA oder China – belegen die Bekanntheit des open mike über die Grenzen Deutschlands hinweg.
Beim open mike teilnehmen können deutschsprachige Autorinnen und Autoren, die nicht älter als 35 Jahre sind und noch keine eigene Buchpublikation vorzuweisen haben. Kurze Prosa, ein in sich geschlossener Auszug aus einem längeren Text oder Lyrik können eingereicht werden.
Aus allen eingesandten und anonymisierten Texten wählen jeweils 6 Lektoren aus renommierten deutschsprachigen Verlagen max. 22 Teilnehmer aus, die im November zu einer zweitägigen öffentlichen Lesung nach Berlin eingeladen werden.
Das jährliche open mike – Wochenende im November genießt Kultstatus und ist nicht nur für literaturbegeisterte Zuhörer zur Institution geworden, sondern auch ein fester Termin für Verleger, Lektoren, Scouts, Agenten und Medien, die auf der Suche nach jungen literarischen Talenten sind.
Jeder Teilnehmer hat während der Lesung 15 Minuten Zeit, die Jury zu überzeugen und die versammelte literarische Welt auf sich aufmerksam zu machen, dann schrillt erbarmungslos der Wecker. Die Spannung unter den Teilnehmern und im Publikum ist greifbar, alle fiebern der Entscheidung der Jury am zweiten Abend des Wettbewerbs entgegen.
Die Jury, jeweils drei namhaften Autoren, u.a. waren Katja Lange-Müller, Thomas Hettche, Marlene Streeruwitz, Karen Duve, Burkhard Spinnen, Adolf Muschg, Arnold Stadler, Georg Klein, Feridun Zaimoglu, Thomas Glavinic und Terezia Mora schon dabei, kann bis zu drei Preisträger bestimmen und vergibt Stipendien in der Gesamthöhe von 7.500 EUR. Seit 2007 wird einer der drei Preise des open mike ausschließlich für Lyrik vergeben. Ebenfalls seit 2007 kann auch das Publikum einen eigenen Gewinner küren: Der taz-Preis der Publikumsjury beinhaltet einen Abdruck des Gewinnertextes in der Tageszeitung. Darüber hinaus produziert Deutschlandradio Kultur ein Feature über das open mike – Wochenende und die Gewinner.

Der erste Schritt der Teilnehmer auf den Buchmarkt ist zudem gewährleistet: Jedes Jahr erscheinen die Texte des open mike pünktlich zum Wettbewerb im November als Anthologie im Allitera Verlag.
Der Gewinn und oft auch schon die Teilnahme beim open mike bedeutet in der Regel den Eintritt in den Literaturbetrieb: Agenten, Lektoren, Verleger und Kritiker sind aufmerksam geworden, Kontakte werden geknüpft, Visitenkarten werden ausgetauscht, Verhandlungen begonnen. Der Erfolg lässt sich überprüfen: Bei der jährlichen Lesung am Vorabend des Wettbewerbs werden die Neuerscheinungen von open mike-Teilnehmern vorgestellt.
Von 1993 bis 2005 hat die Stiftung Preußische Seehandlung den open mike unterstützt, seit 2006 wird der open mike von der Crespo Foundation gefördert. Seitdem gibt es umfassende Neuerungen beim open mike, um die jungen Autoren auch über den open mike hinaus zu unterstützen und junge Talente von den ersten Schreibversuchen bis weit über die erste Buchveröffentlichung hinaus zu fördern.
Direkt nach dem open mike gehen die Gewinner des Wettbewerbs auf Lesereise, sie stellen sich der literarischen Öffentlichkeit in Frankfurt, Zürich und Wien und lesen aus ihren Texten.
Für alle Finalisten des open mike gibt es zudem jährlich im Januar einen Workshop, bei dem sie mit erfolgreichen Autoren und erfahrenen Verlagslektoren an ihren Texten arbeiten können. Fachreferenten aus unterschiedlichen Bereichen und Verleger geben Tipps und Hinweise zum Start in den Literaturbetrieb.
Um die Teilnehmer des open mike besser zu vernetzen und weiter zu fördern wird ein Kolloquium angeboten, bei dem gemeinsam mit Fachreferenten unterschiedlicher Disziplinen verschiedene literarischen Themen erarbeitet werden. Eingeladen sind die open mike-Teilnehmer der letzten Jahre. Das Kolloquium findet zusätzlich zur traditionellen Lesung ehemaliger Finalisten aus ihren Debüts am Vortag des Wettbewerbs statt.
Bereits etabliert haben sich in den letzten Jahren die kostenlosen Schreibwerkstätten für junge Autoren, jeweils unter der Leitung von ehemaligen open mikern. In Berlin findet die Lyrikwerkstatt „open poems“ derzeit unter der Leitung des Lyrikers Tom Schulz statt, nachdem in den letzten Jahren Björn Kuhligk und Ulf Stolterfoht Werkstattleiter waren.
In Frankfurt am Main leitet nach Zsuzsa Bank und Markus Orths derzeit Thomas von Steinaecker die Schreibwerkstatt für Prosa „open writing“.
Der open mike ist eine Gemeinschaftsveranstaltung der Literaturwerkstatt Berlin und der Crespo Foundation.
Projektleitung: Jutta Büchter

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